Tierseuchen im Überblick

Tierseuchen sind ansteckende Krankheiten, die direkt von Tier zu Tier oder indirekt – über Gegenstände, Personen oder Insekten – übertragen werden. Die Bekämpfung und Überwachung von Tierseuchen ist eine zentrale Aufgabe des Veterinäramtes. Hier finden Sie eine Übersicht der gravierendsten Seuchen, wichtigsten Bekämpfungsprogramme und damit verbundenen Verbesserungen in der Nutztierhaltung.

Tollwütiger Fuchs
Tollwütiger Fuchs. Quelle: Tollwutzentrale Bern.

Tollwut: Seit dem Altertum flackerte die Hundetollwut über Jahrhunderte immer wieder auf, bis das Veterinäramt 1925 den letzten Hundebann wegen Tollwut verhängen musste. Eine intensive Welle der Fuchstollwut erlebte der Kanton Zürich ab1967. Letzte Zürcher Fälle gab es 1993 im Kanton Zürich. Die Ausrottung gelang in der Schweiz durch Impfprogramme. Heute besteht die Gefahr der Einschleppung wegen illegal importierter Hunde und anderer Tiere aus Tollwut-Risikoländern.

Lesen Sie auch «Tollwut – damals und heute» mit umfassenden Informationen zur Tollwutbekämpfung und zu den heutigen Risiken.

Milzbrand am Arm
Offenes Geschwür durch Hautmilzbrand beim Menschen. Quelle: Schweiz. Med. Wochenschrift 1991, Sonderdruck Nr. 22.

Milzbrand war beim Menschen bereits im Altertum gefürchtet und verläuft bei den Tieren meist tödlich. Im Kanton Zürich gab es in den 1950er-Jahren immer wieder Milzbrandfälle bei Tieren. Mit der vom Bund vorgegebenen, geordneten Kadaverentsorgung konnte diese Seuche bei uns ausgerottet werden. Dennoch: Von 1978 bis 1980 erkrankten 24 Personen in der Bindfadenfabrik Flurlingen an Hautmilzbrand; Infektionsquelle waren importierte Ziegenhaare aus Asien.

Aufgebrochene grosse Blasen auf der Zunge der Kuh (Quelle: Archiv Veterinäramt Zürich)

Die gefürchtete Maul- und Klauenseuche musste im Kanton Zürich seit dem 19. Jahrhundert immer wieder bekämpft werden. Besonders schlimme Seuchenzüge suchten den Kanton Zürich 1913, 1920, 1938/39 und letztmals 1965 heim. Nachhaltige Wirkung zeigte ein amtlich verordnetes Impfprogramm: von 1967 bis 1990 wurden jedes Frühjahr alle Rinder geimpft.

Weitere Informationen zur Maul- und Klauenseuche finden Sie auf unserer Jubiläums-Website und im Jahresbericht 2014.

Bildlegende: Aufgebrochene grosse Blasen auf der Zunge der Kuh. Quelle: Archiv Veterinäramt Zürich.

Rindertuberkulose
Die Kuh hustet eine über die Nase aufgenommene Lösung aus. Diese Spühlprobe wird im Labor auf Tuberkelbakterien untersucht. Quelle: Archiv Veterinäramt Zürich.

Rindertuberkulose: Bei dieser Seuche ist das Ansteckungsrisiko für Menschen besonders hoch, die Bekämpfung war entsprechend rigoros. Bereits ab 1900 gab es amtstierärztliche Programme, ab 1930 wurden jährlich tausende von Rindern mit klinisch sichtbarer Tuberkulose geschlachtet. 1950 verordnete der Bund, sämtliche positiv getesteten Tiere zu schlachten. Im Kanton Zürich waren zu diesem Zeitpunkt 60 Prozent der 12’000 Rindviehbestände betroffen. Stallsanierungen, Abgrenzen von kranken Tieren und Hygieneverbesserungen waren zusätzlich wirkungsvolle Massnahmen. Als im Kanton Zürich bis 1956 rund 30‘000 positive Rinder – 25 Prozent der Population – eliminiert waren, wurde der Kanton als tuberkulosefrei eingestuft. Seither gilt es die Einschleppung aus dem Ausland zu verhindern.

Statistik Brucellose
Darstellung aus den 50/60er-Jahren (Quelle: Archiv Veterinäramt Zürich)

Wie die Tuberkulose ist auch die Brucellose (Abortus Bang) eine auf Menschen übertragbare Krankheit – eine sogenannte Zoonose. Sie befällt Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Beim Rind führt die Brucellose zu seuchenhaften Fehlgeburten und späteren Fruchtbarkeitsstörungen. In der Schweiz wird seit den 1940er-Jahren geimpft.

1955 beschloss der Kanton Zürich die Ausrottung der Brucellose durch umfassende Untersuchung aller Rindviehbestände – u.a. anhand von Milchproben. Positive Tiere wurden konsequent geschlachtet. Zudem gab es rigorose Tiersperren. Am Anfang waren 13 Prozent der Zürcher Bestände positiv, 1962 noch 0.02 Prozent. Um auch die letzten Bakterienträger aufzuspüren, wurden in den Folgejahren weiterhin ca. 40‘000 Blut- und Milchproben untersucht.

Buchstabenseuche

Die Buchstabenseuche, die sogenannte IBR-IPV, ist eine Herpesviruserkrankung beim Rind. Sie wurde aus dem Ausland eingeschleppt und 1974 in der Schweiz erstmals nachgewiesen. Um diese wirtschaftlich folgenreiche Tierseuche zu tilgen, wurden ab 1982 alle infizierten Bestände für den Tierverkehr gesperrt und alle Tierbestände zum Teil auch gegen den Widerstand der Tierhalter bis 1988 saniert. Auch hier blieb man noch jahrelang bei der konsequenten Untersuchung aller Bestände, bis schliesslich 1994 auf Stichproben gewechselt werden konnte.

Bildlegende: Neben Aborten sind eitriger Nasenausfluss und tränende Augen Symptome der Buchstabenseuche. Quelle: Archiv Veterinäramt Zürich.

Salmonellen
Hühner erkranken nicht an denselben Salmonellentypen wie Menschen; das Labor untersucht deshalb Kot und Eier auf den Erreger. Quelle: Veterinäramt Zürich.

Salmonellen wurden in der Schweiz in den 1990er-Jahren zum öffentlichen Thema. Die konsequente Bekämpfung begann 1994: Schweizweit wurden regelmässige Untersuchungen aller Legehennen-Haltungen ab 50 Tieren und das Schlachten verseuchter Herden eingeführt. Dies hat zu einer grossen Abnahme der Erkrankungen beim Menschen geführt. Seit 2005 müssen nur noch Herden mit mehr als 250 Zuchttieren, 1000 Legehennen oder 5000 Mastpoulets regelmässig untersucht werden.

1990 erreichte BSE (Bovine Enzootische Enzephalopathie) die Schweiz. Im Kanton Zürich wurde 1992 der erste Rinderwahnsinnsfall festgestellt (von total 22 bis ins Jahr 2004). BSE führte zur verstärkten Überwachung im Schlachthof. Eine Kaskade von Massnahmen für die
Verwertung von Fleischabfällen, Tierkörpern und für die Nutztierfütterung wurde etabliert. Die BSE-Krise hat die Erkenntnis gebracht, dass einzig die  konsequente Prozesskontrolle «vom Stall bis auf den Teller» ausreichend sichere Lebensmittel hervorbringen kann. Die BSE-Bekämpfung war erfolgreich: Das Welttierseuchenamt hat der Schweiz im Mai 2015 den Status «vernachlässigtes Risiko wegen BSE» zugestanden.

Start / Stop Ton aus / ein Zurück

BSE kranke Tiere zeigen häufig Störungen des Ganges. Diese sind ersichtlich durch Streifen und Kreuzen der Hinterbeine beim Gehen. In fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung taumeln die Tiere oder knicken in der Nachhand ein. Quelle: Prof. Ueli Braun, Universität Zürich.

Vogelgrippe
Kopfschiefhaltung als unspezifisches neurologisches Symptom kommt auch bei Vogelgrippe vor. Quelle: BLV Bern.

Die Vogelgrippe trat im Kanton Zürich bei Wildvögeln 2006 auf. Weil das Grippevirus wegen der schweren Erkrankungen bei Menschen gefürchtet ist, wurde das Übergreifen auf Hausgeflügel mit rigorosen Massnahmen zu verhindern versucht, darunter die Stallpflicht für die über 4000 kleinen und grossen Geflügelhaltungen im Kanton Zürich. Seit dem Winter 2007 wird diese Massnahme leicht reduziert weitergeführt.

Blauzungenkrankheit
Sichtbare Symptome: Schwellung am Kopf und Krusten an Nasenöffnung. Quelle: BLV Bern.

Im Oktober 2007 wurde der Kanton Zürich wegen Blauzungenkrankheit zur «Überwachungs­zone» erklärt. Krankheitsfälle traten keine auf, was mitunter auf die umfassenden amtlichen Impfungen der ca. 90‘000 Rinder, Ziegen und Schafe in den Jahren von 2008 bis 2010 zurückzuführen ist. Die obligatorische Impfung löste starken Widerstand bei Impfgegnern aus. Die Meldungen zu unerwünschten Wirkungen durch die Impfung führten zu Abklärungen in Tierhaltungen und wurden – soweit nachträglich möglich – aufgearbeitet.

Die Blauzungenkrankheit verursacht vor allem beim Schaf gravierende Symptome, wobei bis ein Drittel der Tiere sterben. Beim Rind sind die Krankheitssymptome weniger ausgeprägt: Entzündete Schleimhäute, Gefässstörungen und Geschwüre auf Haut und Schleimhaut im Maul, an Lippen, Nase, Zitzen und Euter. Der Name kommt von den beim Schaf beobachteten blauen Zungen wegen der Gefässstörung.

BVD-Ohrmarken
Grüne Ohrmarken mit Stanzkopf für die Entnahme von Gewebeproben zur Untersuchung auf BVD. Quelle: Veterinäramt Zürich.

2008 startete schweizweit das Ausrottungsprogramm für die BVD (Bovine Virusdiarrhoe). Die Seuche ist wirtschaftlich folgenreich wegen des hohen Kälberverlusts. In enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft wurden 91‘000 Rindvieh mittels Ohrmarken-Stanzprobe untersucht. 615 Tiere waren positiv und wurden geschlachtet. Bis 2012 wurden jährlich über 40‘000 Kälber im Kanton Zürich nach der Geburt beprobt und die positiv getesteten eingeschläfert. Bis heute ist die Ausrottung fast gelungen, die Überwachung muss aber risikobasiert intensiv weitergeführt werden.

Bienenwabe mit gesunder Brut

Seit etwa zehn Jahren kommen Bruterkrankungen bei Bienen häufig vor. Die intensive Bekämpfung dieser Seuchen durch Sperrzonen, in die keine Bienenvölker hineingebracht und aus denen keine entfernt werden dürfen, bringt langsam eine Abnahme der Fälle.

Bildlegende: Bienenwabe mit gesunder Brut. Quelle: Veterinäramt Zürich.

gesunde und kranke Brut
Quelle: Zentrum für Bienenforschung, Bern.